Netzwerk Sport & Inklusion

2009 trat in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft. Seitdem ist auch der organisierte Sport aufgefordert, Menschen mit Behinderungen und Migrationshintergrund die Teilnahme am Sport uneingeschränkt zu ermöglichen. Im Netzwerk "Sport & Inklusion" in Berlin finden sich Vereine und Verbände zusammen, um das Thema Inklusion voranzubringen und Akteure im organsierten Sport zu vernetzen.

 

 

Inklusion ist die (visionäre) Idee von einer Gesellschaft, in der alle Menschen gleichermaßen und wertgeschätzt Teil haben können. Inklusion ist ein Prozess der in verschiedenen Schritten verläuft.

Wir als Netzwerk wollen die Strukturen des organisierten Sports für Menschen öffnen, die in der Vergangenheit gar nicht oder nur unzureichend repräsentiert waren. Diese Absicht bezieht sich auf das gesamte Spektrum der Gesellschaft. Wir wollen eine große Vielfalt möglich machen.
Trotzdem bemühen wir uns im ersten Schritt besonders um die Teilnahme von:

  • Menschen mit Einschränkung
  • Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und
  • Menschen aus sozial benachteiligten Schichten.

Als weiteren Schwerpunkt haben wir das Thema:

  • geschlechtsspezifische Förderung/genderbewusste Angebote auf unsere Agenda gesetzt.

Diese Arbeitsschwerpunkte sind Teil unseres Prozesses und können jederzeit ergänzt werden.    

aktives Werben von Teilnehmern für Sportangebote
Sensibilisierung für das Thema
Beispielprojekte darstellen, kopierbar machen
Sportpolitik in die Verantwortung nehmen
Kooperation mit Wissenschaft ("Inklusionslabor")
mentale Barrieren zwischen Gruppen abbauen
Vernetzung vorantreiben
effiziente Strukturen aufbauen

Erfahrungsaustausch
Rahmenbedingungen für inklusiven Sport diskutieren und formulieren
Interessen vertreten gegenüber Politik und Verwaltung
als Gruppe wahrgenommen werden
Wissen sammeln und weitergeben
Forderungen stellen und auf Umsetzung drängen
Kooperationen fördern (z.B. Universitäten, Stiftungen)
neue Wege zeigen
Motor/Impulsgeber sein
Anpassung der SPAN (Sportanlagen-Nutzungsverantwortung)
Barrierefreiheit bei Sanierung von Sportstätten

Nächstes Netzwerktreffen:

Aktuell keine Termine

 

Fortbildungen zum Thema Inklusion beim Landessportbund Berlin:

Fachtag SPORT INKLUSIV – "Einfach mal machen!" (Online-Veranstaltung)

Weitere Kurse gibt es hier! (Im Suchfeld Inklusion eingeben.)

 

 

Barrieren trotz barrierefreier

DIN-Bauweise Vereine wollen inklusiven Sport anbieten, aber Sportstätten sind oft ungeeignet

Der Senat plant – gemeinsam mit dem LSB und weiteren Sport- und Behindertenorganisationen – Standards für Barrierefreiheit zu entwickeln und im Rahmen der Schulbauoffensive neue Sporthallen zu errichten. In den kommenden Jahren sollen in Berlin sieben Sporthallen entstehen – weitere 32 sind in Planung. Die Sporthallen werden nach DIN 18040-1 barrierefrei geplant. Die DIN-Normen reichen allerdings für inklusiven Sport nicht aus. Sie berücksichtigen beispielsweise nicht, dass Basketballrollstühle deutlich breiter sind, Schilder und Info-Schriften oft kontrastarm und schwer lesbar sind, Lagerräume für inklusive Sportgeräte fehlen und Rollstuhlfahrende Duschrollstühle benötigen. Das Netzwerk Sport und Inklusion, dem auch der LSB angehört, hat einen umfassenden Kriterienkatalog für inklusiv nutzbare Sportstätten erstellt. Der organisierte Sport wurde aber bei der Entwicklung der Sporthallen nicht von Anfang an beteiligt und der Kriterienkatalog nicht ausreichend berücksichtigt. In den Neubauten gibt es deshalb noch viele Barrieren.

Der LSB hatte im August eine Begehung der ersten fertiggestellten Sporthalle in Spandau mit Sachverständigen aus dem inklusiven Sport angeregt. Mit dabei im Lily-Braun-Gymnasium waren Vertreter*innen des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins, des Berliner Gehörlosen-Sportvereins 1900 e. V., des Vereins Pfeffersport sowie von den Organisationen Special Olympics, Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg und Autismus Deutschland, Landesverband Berlin

Die Halle hat trotz DIN 18040-Norm-Bauweise Barrieren, u.a.

• keine taktile Wegeleitung für Menschen mit Sehbehinderung i

• keine Brailleschrift

• schlecht lesbare Hallenbeschriftung an den Wänden

• Duschrollstühle müssen von einer zweiten Person geschoben werden

• Geräteraumtore nur von großen, stehenden Menschen zu öffnen

• kein Platz für Sportrollstühle in den Geräteraumen

• Feueralarm nur in der Halle optisch sichtbar, in den Fluren und Umkleiden nicht

• Lift zur Galerie bietet Platz nur für einen E-Rollstuhl – die helfende Person muss möglicherweise laufen

• Der Lift ist eng und dunkel und möglicherweise für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung nicht nutzbar

• Der Lift lässt sich nur manuell öffnen und man benötigt einen Schlüssel

• nur ein behindertengerechter Parkplatz • keine Drop-off-Zone für Fahrdienste

• Rund um die Halle „Berliner Pflaster“ - das ist im Winter für Rollstuhlfahrende und Menschen mit Gehbehinderung gefährlich

Aus diesen Erkenntnissen sollen jetzt Anregungen und Vorgaben abgeleitet werden, um Barrieren abzubauen und beim Sportstättenbau bereits in der Planung zu entfernen.

Leuchtendes Beispiel: neues Fechtzentrum

Das Fechtzentrum Berlin Marzahn wurde im Hinblick auf Mobilitätseinschränkungen saniert: Jetzt gibt es drei Rollstuhlfechtplätze und behindertengerechte Umkleiden, Toiletten und Duschen. Der Zugang ist ebenerdig und barrierefrei. Behindertenparkplätze sind auch vorhanden. Dank der Senatsverwaltung, die die Sanierung finanziert hat, ist dort nun inklusives Fechten möglich: Fechtzentrum, Bruno-Baum-Straße 72, 12685 Berlin. www.fechtzentrum-berlin.de

Tim Tschauder

Dieser Artikel erschien in gekürzter Fassung in SPORT IN BERLIN, Ausgabe 5/2021

Ein Video zum Thema „Barrierefreier Sportstättenbau" ist hier zu sehen. 


https://www.youtube.com/watch?v=uudlYmEh3ks