Vereinsprojekt des Monats

Tour de School – ein Schul-Radrennen

Wie es dem RC Charlottenburg gelang, neue Wege zu beschreiten

Er ist jung geblieben, Deutschlands zweitältester Radsport-Verein, der 1883 gegründete und im kommenden Oktober sein 130-jähriges Bestehen feiernde RC Charlotteburg. Weil er es stets verstanden hat, auf den Nachwuchs zusetzen und ihm eine Chance zu geben. So ist es auch nur folgerichtig, dass er gemeinsam mit der Carl-von-Ossietzky-Schule aus Kreuzberg am 16. Juni auf dem ehemaligen Flughafen Gatow erneut die von ihm initiierte Berliner Schulmeisterschaft veranstaltet, die jetzt allerdings unter dem Namen Tor de School firmiert.

"Nachdem bei der Premiere im vergangenen Jahr gerade einmal drei Schulen teilnahmen, sind wir hoch erfreut, dass diesmal bereits 21 sind, und zwar von Hellersdorf bis Spandau, die ihre Meldung abgegeben haben. Was vor allem auf das Engagement unseres Straßenfachwartes Johannes Kowalewsky zurückzuführen ist, der selbst Lehrer an der Ossietzky-Schule ist und bei seinen Kollegen kräftig die Werbetrommel gerührt hat, um an diesem Ereignis mitzumachen", sagt ein nimmermüder und stets positiv denkender Hein-Detlef Ewald, seit 34 Jahren Vorsitzender und inzwischen auch Ehrenvorsitzender des Vereins.

Gefahren werden in den unterschiedlichsten Altersklassen drei Runden zu je zwei Kilometern, wobei sich die Bundeswehr erneut als großzügiger Unterstützer der Veranstaltung erweist. So holt sie beispielsweise von einer Sammelstelle in Kreuzberg die sich dort versammelten Jungen und Mädchen aus den 5. bis 12. Klassen mit einem Bus und die Räder mit einem Extra-Lkw ab, garantiert anschließend auch den Rücktransport. Außerdem stellt sie Streckenposten und Führungsfahrzeuge zur Verfügung.

Die Siegerehrung findet in unmittelbarer Nähe des Militärhistorischen Luftwaffen-Museums statt. Die ersten Zehn, so Ewald, erhalten von uns einen Charlottenburger Vereinswimpel und unser Sponsor Little John Bikes wird darüber hinaus jedem Starter, der ins Ziel kommt, ein kleines Präsent mit Radsportutensilien überreichen. "Die Veranstaltung ist im Rahmen unseres 8. Kladower Radfestivals zu betrachten, das am Vortag an gleicher Stelle neun verschiedene Nachwuchs- und Jedermann-Rennen vorsieht, allerdings über längere Strecken.

"Seit nunmehr gut zwei Jahren existiert die Kooperation zwischen dem Club aus Charlottenburg und der Schule in Kreuzberg, wobei die einst zur Verfügung gestellten zehn Mountainbikes so etwas wie eine Art Anschubfinanzierung eines Projekts bedeutete, das sich unter dem Bergriff "Integration durch Radsport" einordnen lässt. "Unser Ziel ist es seit eh und je gewesen, Schüler und auch Schülerinnen mit Migrationshintergrund zum Radfahren zu bringen und ihnen die Möglichkeit zu eröffnen, diese Sportart kennen, schätzen und lieben zu lernen", sagt Kowalewsky. "Und wir wollten Vorurteile abbauen"

Das Training, das auf dem nahen, stillgelegten Flughafen Tempelhof stattfindet, wird gern angenommen. Anfangs gab es sogar ungläubiges Staunen, als ein Mädchen unter ihrem Helm ein Kopftuch trug. Doch das gab sich schnell. Die jetzige Abiturientin soll, so ist es geplant, später einmal eine Übungsleiter-Ausbildung beginnen und sich dann verstärkt um jene arabischen und türkischen Schülerinnen kümmern, die jetzt schon mit Begeisterung dabei sind.

Hein-Detlef Ewald erhofft sich durch diese Schul-AG und die gezielte Zusammenarbeit eines Tages neue Interessenten und Mitglieder für seinen Verein gewinnen zu können, denn ihm liegt viel daran, immer wieder Nachwuchs in den RCC zu integrieren, zumal mit Wolfgang Köhn ein versierter Trainer zur Verfügung steht, der sich erst vor kurzem über vier gewonnene Berliner Meisterschaften im Jugendbereich freuen konnte. "Unser Fernziel", so das Charlottenburger Radsport-Urgestein, "ist es, schon 2014 eine U 19-Bundesliga-Team auf die Beine zu stellen."