Vereinsprojekt des Monats

Tennis-Club Johannisthal

Tennis von 8 bis 80 - Familienfreundlichkeit ist Trumpf beim TC Johannisthal

"Vor zehn Jahren, als ich den Vorsitz beim Tennis-Club Johannisthal übernahm, hatten wir gerade einmal 48 Mitglieder", erinnert sich Prof. Dr. Steffen Rückl. Heute kann er mit Stolz verkünden, dass es schon mehr als hundert - und das in einer Sportart, die nicht mehr wie zu Zeiten eines Boris Becker boomt, sondern eher rückläufige denn steigende Zahlen vorzuweisen hat. Doch das Projekt "Spiel und Spaß von 8 bis 80" zeitigte seine Erfolge, weil in dem dicht besiedelten Gebiet rings um den ehemaligen Flughafen das Motto ausgegeben wurde, wohnort-nah Sport zu treiben.

Allerdings mussten dafür im Laufe der Zeit einige Voraussetzungen geschaffen werden. Vor drei Jahren wurden drei, vom Bezirksamt zur Verfügung gestellte Plätze komplett erneuert, mit einer Beregungsanlage ausgestattet und teilweise sogar mit Flutlicht versehen, damit noch in den späten Abendstunden gespielt werden kann. "Dafür haben wir eisern gespart und unsere Mitglieder durch Umlagen zur Kasse gebeten", sagte Rückl, der mit seinem Stellvertreter Michael Köhler bereits die nächsten Pläne aus der Schublade holte.

Weil zwar auf dem Gelände ein kleines Holzhaus steht, das aber nicht über die entsprechenden sanitären Anlagen verfügt, soll hier demnächst durch einen Zusatzanbau dringend eine notwendige Abhilfe geschaffen werden. Dann brauchen die Mitglieder nicht mehr den hundert Meter langen Weg bis zu den Toiletten zurückzulegen. Ferner ist geplant, zu den inzwischen vier existierenden Sandplätzen noch einen fünften, vielleicht sogar sechsten mit einem Allwetterbelag zu errichten, denn allmählich wird es mit den Kapazitäten eng.

Längst hat sich nämlich herumgesprochen, dass bei dem 1990 gegründeten Verein, der aus den beiden Betriebssportgemeinschaften Stahl Schöneweide und Berliner Metallhütten- und Halbzeugwerke hervorging, ein äußerst familienfreundliches Klima herrscht, wo sogar Großeltern mit ihren Enkeln das Racket schwingen. Eigentlich stimmt das Motto "bis 80" nur bedingt, denn Herbert Hensel als ältestes Klubmitglied ist bereits 85 Jahre alt.

"Aber wir wollen kein Senioren-Klub sein, sondern auch jüngeren Menschen Anreize geben, um zu uns zu kommen", so der Rückl, der momentan dabei ist, eine Kooperation mit dem Montgolfier-Gymnasium auszuloten, aber auch mit der Hans Grade-Oberschule, in dessen Turnhalle an fünf Tagen während des Winter gespielt werden kann, übrigens unter der Anleitung von Rüdiger Niendorf (71), der schon seit 1963 dem Vorläufer-Verein angehört.

Natürlich nehmen auch zwei Herren-Teams (Ü 30 und Ü 50) am Wettkampfgeschehen in Berlin-Brandenburg teil. Demnächst kommt auch noch eine Damenmannschaft hinzu, doch in erster Linie geht es den Johannisthalern um den freundschaftlichen Umgang - mit einer speziellen Mittwochsrunde, aber auch einem Schleifchen-Turnier beziehungsweise einem gemeinsamen Wochenend-Ausflug, also mit Mann und Maus, zu einem Sportzentrum nach Neuruppin.

Bestes Beispiel dafür, dass man sich auch um "Spätberufene" kümmert und sie noch zum Tennis animiert, ist Werner Krause, der mit 66 Jahren seine Maurerkelle aus der Hand und dafür eine andere "Kelle", sprich das Racket, in die Hand nahm. Im kommenden Frühjahr will der TC Johannisthal anlässlich des für Ende April vorgesehenen "Tag der offenen Tür" (Deutschland spielt Tennis) demonstrieren, das Alt und jung in dem Verein gut aufgehoben sind, zumal die Jahresbeiträge auch finanziell schwächer gestellten Menschen eine Mitgliedschaft ermöglichen. Das beinhaltet ebenfalls das Konzept von acht bis achtzig in einem ständig wachsenden Wohngebiet.