Vereinsprojekt des Monats

Astoria Rudergemeinschaft

Bei Astoria herrscht wieder Leben 2009 gab es keine Jugendliche mehr - jetzt ist das anders

Ganz am Ende der kopfsteingepflasterten Bismarckstraße in Zehlendorf, dort, wo kein Haus mehr kommt und sofort der Wald beginnt, befindet sich die schmucke Anlage der Astoria Rudergemeinschaft, die seit sechs Jahren mit der Berliner Turnerschaft liiert ist. Hier herrschte an diesem sonnigen Spätherbstsonntag ein recht munteres Treiben - was allerdings in der Vergangenheit nicht immer so war und vor gar nicht allzu langer Zeit sogar ernsthafte Probleme heraufbeschwor. "Es gab 2009 einfach keine Jugendlichen mehr", berichtet Thomas Habbe, 36, der ein Jahr zuvor aus Kassel gekommen war und sehr schnell erkannte, dass hier unbedingt etwas geändert werden müsse.

Inzwischen ist er Abteilungsleiter geworden und hat in Benjamin Bach, 22, nicht nur einen beliebten Jugendtrainer, sondern auch einen tüchtigen Mitstreiter gefunden, um mehr Nachwuchs an den Verein binden zu können. An jenem bewussten Sonntag beschäftigte sich eine jüngere Gruppe nach vorangegangener Ausfahrt intensiv mit der Unterbringung der Boote im Lagerschuppen, während sich die Älteren auf den Weg zu einem intensiven Laufprogramm machten. Es herrscht also wieder Leben am Kleinen Wannsee, wo sich das wunderschöne, terrassenförmige Grundstück befindet. Dank neuer Ideen und verstärkter Suche in Schulen konnte nicht nur der Mitgliederstand erhöht, sondern gleichzeitig auch der Altersdurchschnitt von 53 auf nunmehr 41 Jahre gesenkt werden.

"Was allerdings gar nicht so einfach war und erst so manch Widerstand gebrochen werden musste", erinnert sich Habbe. Volle Zustimmung erhielt er von Benjamin Bach, der nach einem halben Jahr USA-Aufenthalt, wo er die Möglichkeit des Rennruderns erhielt, zurück zur RG Astoria kam, allerdings hier nicht weiter gefördert wurde und deshalb im Landesleistungszentrum am Hohenzollerkanal trainierte. Doch er blieb seinem Klub treu und ist heute eine wichtige Ansprechperson.

Eine entscheidende Situation ergab sich vor zwei Jahren, als der Landesruderverband und mehrere Vereine sich aufmachten, um neue Mitglieder im Jugendbereich zu gewinnen. Der RG Astoria war dabei und knüpfte Kontakte zur nahe gelegenen Conradschule und der Schule am Rohrgarten. Und siehe da, plötzlich tummelten sich rund 40 Neulinge auf der Anlage. Bach wurde Jugendtrainer und auch einige der älteren Mitglieder stellten sich zur Verfügung, um ihr Wissen weiterzugeben.

"Rudern ist eine Sportart, die Spaß macht", sagt Habbe, "doch damit allein ist es nicht getan. Um eine echte Bindung zum Verein zu erreichen, muss mehr kommen, zumal die Stadt viele Abwechslungen zu bieten hat." Das Zauberwort heißt Wettkampfsport, wo ein gewisser Anreiz vorhanden ist und gemeinsame Ziele angestrebt werden. Leider entsprach das vorhandene Bootsmaterial nicht mehr den heutigen, modernen Anforderungen. "Mit dem Zukauf zweier kostengünstiger Rennvierer konnten wir jedoch einiges abfedern", so der Abteilungsleiter rückblickend, "aber dabei darf es nicht bleiben. Für einen Einer im Juniorenbereich sind allein schon 4000 Euro zu berappen."

Durch das rege Treiben auf dem Grundstück ist auch für die Älteren ein gewisser Anreiz geboten, mal wieder zum Bootshaus oder einer Regattastrecke zu kommen, weil viele inzwischen erkannt haben, welche Möglichkeiten sich dadurch ergeben. Vorurteile, dass durch den Nachwuchs zuviel Unruhe entstehe, die Jugend zu teuer sei oder gar Toilettenpapier klaue, sind allmählich verstummt. Inzwischen wurde sogar ein Jugendvorstand etabliert, der so manches regelt und auch bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Habbe ist grundsätzlich zu der Erkenntnis gelangt: "Wir haben unseren älteren Mitgliedern anfangs einiges zugetraut, doch inzwischen sind sie mit uns den Weg gegangen."

Seit einiger Zeit existiert auch eine sich günstig anlassende Kooperation mit dem auf einem Nachbargrundstück befindlichen Schülerinnen-Ruderverband (SRVaW), dessen Problem es war, dass zu wenige Übungsleiter vorhanden sind. Im Rahmen einer Vereinbarung konnte erreicht werden, dass Mädchen aus dem Grauen Kloster sich der Astoria-Trainingsgruppe angeschlossen haben, während im Gegenzug Boote vom SRVaW benutzt wurden. Perspektivisch gesehen, können sich die Astorianer auch eine Zusammenarbeit mit anderen am Wannsee beheimateten Klubs vorstellen.

Teilnahmen an der Berliner Frühregatta, in Bremen, Werder, Rüdersdorf oder Hamburg erfreuten sich inzwischen größerer Beliebtheit, wobei durchaus noch mehr denkbar ist, vor allem dann, wenn in den Wintermonaten fleißig auf dem Ergometer trainiert wird. Mit Anne und Maria Hartmann sind sogar zwei Ruderinnen im Verein, die in der nächsten Saison einen Platz in einem starken Doppelvierer finden sollten. Allmählich ändert sich die Struktur bei der RG Astoria - zum Breitensport kommt nun allmählich auch der Leistungssport hinzu, was vor allem im Nachwuchsbereich steigende Mitgliederzahlen verheißt.