Vereinsprojekt des Monats

Treffen, ohne getroffen zu werden

Die Turngemeinde in Berlin 1848 weitet ihr Angebot im Fechtsport aus und bietet neue Trainingsmöglichkeiten für Kreuzberger Kinder an.

Beim Fechten ist Athletik, Schnelligkeit, Technik, Taktik und mentale Stärke gefragt. Das hört sich anspruchsvoll an? Das ist es auch. Aber der Kampfsport macht auch Spaß. Über die Jahre hat er sein Elite-Image abgestreift und wurde mehr und mehr zum Breitensport. Besonders für Kinder gibt es immer mehr Trainingsangebote. Eines davon ist die im November 2018 gegründete Degen-Fechtgruppe, die mittwochs in der Turnhalle der Ferdinand-Freiligrath-Schule in der Kreuzberger Bergmannstraße trainiert. Ein neues Projekt der Turngemeinde in Berlin 1848 e.V. (TiB), das viel Anklang findet.

Starke Nachfrage im Kiez

Torben Lehberg, Abteilungsleiter für den Fechtsport bei der TiB, trainiert die neue Fechtgruppe für 10 bis 14-jährige Kinder – meist aus dem Kreuzberger Kiez. Der 43-Jährige war in der Vergangenheit immer öfters von Eltern oder bei den Projekten von bwgt e.V. etwa der Kiezolympiade angesprochen worden, ob es nicht auch eine Trainingsgruppe in Kreuzberg geben könne, die die Kinder ohne lange Fahrwege auch allein besuchen könnten. „Es gab zwar schon Trainingsangebote für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren, aber bei den Kindern mussten wir bisher immer auf andere Vereine verweisen“, erklärt der hauptberufliche Kriminalbeamte Torben Lehberg.

Seit Ende des vergangenen Jahres gibt es nun das Programm für Kinder bei der TiB. Sie ist übrigens der erste Verein, der Fechten als Freizeitsport anbot. Bereits 1849, ein Jahr nach Vereinsgründung, wurden hier die Klingen gekreuzt. Dabei liegt der Fokus bis heute auf dem Degenfechten.

Ausrüstung mittels LSB-Hilfe durch das Förderprogramm zur Vereinsentwicklung

Ohne die Unterstützung des Landessportbunds Berlin (LSB), der bei der Beschaffung von Masken, Fechtanzügen, großer und kleiner Degen, Handschuhen, Brustschutz und Stoßkissen finanziell half, wäre die Gruppe heute nicht so gut ausgestattet.

„Zwei Ausrüstungen für Kinder hatte bereits der Verein 16 weitere wurden neu angeschafft“, berichtet der Trainer. Deshalb konnten die achtzehn Kinder vom ersten Tag an, im schicken Fecht-Dress mit Turnierdegen trainieren. Das motiviert. Lediglich die Schuhe mussten die Kinder selbst mitbringen. „Wir möchten den Einstieg ins Fechten leicht machen und jedem jungen Sportler ermöglichen – ohne große finanzielle Ausgaben. Wenn die Mädchen und Jungen dann dauerhaft dabeibleiben oder zu den Erwachsenen wechseln, können sie sich ihre eigene Ausrüstung zulegen. Dann bekommen nachrückende Kinder die Möglichkeit, sich vom Verein eine Ausrüstung zu leihen“, berichtet Lehberg, der seit dem Jahr 2001 als Trainer tätig ist.

Neue Aufgabe Kindertraining

Das Trainieren von Kindern ist für den Degenfechttrainer neu: „Das ist für mich eine besondere Herausforderung. Ich gehe kleinschrittig vor, denn Fechten ist ein technischer Sport, da sind die Grundlagen wichtig. Es gilt für die Kinder geduldig zu bleiben und trotzdem nicht das Interesse zu verlieren.“ Von mangelnder Begeisterung ist bei den Schülern jedenfalls nichts zu spüren. Im Gegenteil – sie finden den Sport „cool“, das Outfit „schick“ und das Training „voll toll“.

Die Neulinge sind mittlerweile dabei, die ersten „freien Gefechte“ zu führen. „Aber die größte Herausforderung wird es nach der Turnierreifeprüfung im Herbst, sich dann auch gegen fremde Fechter zu behaupten“, betont Lehberg, der selbst sei 1993 fechtet. Bis dahin gilt es für die Kinder, sich weiterhin alle Regeln einzuprägen und zu üben „zu treffen ohne getroffen zu werden.“ Fechten ist ein explosiver Sport, bei dem in Sekundenbruchteilen über Sieg oder Niederlage entschieden wird. Das macht auch den Reiz für die Zuschauer aus.

Unterstützung erwünscht

Um das anspruchsvolle 90-minütige Training aufzulockern, macht Trainer Lehberg mit den Kindern zwischendurch Spiele. Dabei werden ebenfalls Reaktionsschnelligkeit und Konzentration geübt. Für die Zukunft wünscht sich der Trainer personelle Unterstützung aus dem Verein. „Es wäre schön, wenn ein Trainer zugekauft werden könnte. Bisher bin ich eine One-Man-Show.“ Denn anders als in anderen Vereinen, die schon längere Zeit Fechten als Freizeitsport für Kinder anbieten, hat das gerade erst gegründete Kinder-Projekt noch keine älteren Schüler, die das Training unterstützen könnten.

Förderungen und Zuwendungen können Sportorganisationen und Sportvereine erhalten, die durch die für den Sport zuständige Senatsverwaltung als förderungswürdig anerkannt sind und die Gemeinnützigkeit dem LSB durch Vorlage des gültigen Körperschaftsteuer-Freistellungsbescheides mit dem Zweck "Förderung des Sports" nachgewiesen haben. Die Zielsetzung des Förderprogramms "Vereinsentwicklung" ist eine Vereins- oder Verbandsmodernisierung.

Mitmachen lohnt sich beim Vereinsentwicklungsprogramm!

Hierzu finden Sie unseren Link:

http://www.lsb-berlin.net/service/vereinsentwicklung/sportfoerderung/

Quelle:

Text und Foto von Petra Lang

 

 

 

 

 

 

 

  • Fechtsport für Kinder in Kreuzberg