Vereinsprojekt des Monats

Berliner-Marzahner TSC

Spaß auf Sand und Nachhaltigkeit. Der Berliner-Marzahner TSC ging im Beachvolleyball neue Wege

Schöner feinkörniger, weißer Sand, bunte Liegestühle en masse, kleine Sitzgruppen, aber auch wie beim Oktoberfest lange Tische und Bänke, die teilweise zeltartig überdeckt sind, hier und da eine Palme sowie eine Mini-Bar, wo es kühle, nicht alkoholische Getränke zu kaufen gibt. Urlaubsstimmung pur. Und das alles mitten in der Großstadt, eingebettet zwischen Plattenbau-Hochhäusern auf der einen und einer vierspurigen, vielbefahrenen Straße, wo unentwegt der Verkehr rauscht, auf der anderen Seite. Da, wo einst ein mit Unkraut überwachsener, total verrotteter und nicht mehr benutzbarer Sportplatz vor sich hin gammelte, hat der Berlin-Marzahner TSC zugegriffen und vor zwei Jahren ein wahres Beachvolleyball-Paradies geschaffen, das gut frequentiert wird.

Zum einen existiert eine Kooperation mit dem in unmittelbarer Nachbarschaften gelegenen Victor Klemperer-Kolleg, einer Bildungsstätte für Erwachsene, in der das Abitur nachgeholt werden kann, zum anderen bilden neben den vielen Freizeitbaggerern, -pritschern und -schmetteren zahlreiche Schul-AGs das Hauptklientel. Diese waren im November 2006 auch Anlass und Ursache dafür, dass sich Mutige um den heutigen Vorsitzenden Mirko Heine und seinen Stellvertreter Victor Eras, zwei engagierte Nachwuchstrainer, zusammenfanden, um einen Verein zu gründen, der Kindern und Jugendlichen in dem bevölkerungsreichen Bezirk Marzahn-Hellersdorf eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung bot. Und auf Nachhaltigkeit bedacht war.

Einer der damaligen „Geburtshelfer“ erläutert, wie es dann weiterging, nachdem einige Zeit in verschiedenen Hallen gespielt wurde. Der Wunsch nach etwas Eigenem wuchs. Dazu Victor Eras: „Wir haben lange Zeit gesucht, um etwas Passendes zu finden und stießen schließlich auf ein Brache, die wir mit Unterstützung des damaligen Bezirksstadtrates und jetzigen Bürgermeisters Stefan Kosmoß in eine Beachvolleyball-Anlage umwandeln konnten. Zunächst machten sich Radlader an die Arbeit, um einen gewissen Untergrund zu schaffen, dann wurden tausend Tonnen Sand in 40 Lkw-Ladungen aus Friederdorf hergekarrt und von Baggern sowie vielen ehrenamtlichen Helfern planiert und nivelliert. Letztendlich errichten wir fünf Felder, auf denen fortan gespielt werden.“ Und sorgten für ein entsprechendes Drumherum.

Schon bald herrschte in den Nachmittagsstunden bis zum Sonnenuntergang ein emsiges Treiben. Schnell hatte es sich nämlich herumgesprochen, dass es sich bei dem East Side Beach um eine tolle Atmosphäre handelt und dass immer etwas los sei - auf einem Areal, das dem Bezirksamt gehört, aber vom Marzahner TSC zu reichlich Aktivitäten genutzt wird. Die Palette reicht von verschiedenen Turnieren, der Ferienbetreuung mit dem Deutschen Roten Kreuz, Public Viewing während der Fußball-EM, Wandertagen und Sportfesten von Schulen bis hin zu Kursangeboten für Hobby-Beacher durch drei Trainer. Und selbstredend dürfen die Schul-AGs nicht fehlen, die jenes Pfund bilden, mit dem der Verein wuchert.

Dass sich die Anlage bereits wenige Monate nach ihrer Existenz einen Namen in der Szene gemacht hat, lässt sich daran ablesen, dass seitens des Verbandes im vergangenen Jahr die Deutschen Nachwuchs-Meisterschaften (U 20) hierher vergeben wurden und in diesem Sommer handelt es sich unter anderem um die Berlin-brandenburgischen Titelkämpfe der Senioren (Ü 31/35), die am 14. Juli stattfinden. Womit ein weiterer Beweis geliefert wird, dass sich auf dem East Side Beach in Marzahn so einiges tut.

„Unser  Ziel ist es nicht unbedingt, Spitzensportler heranzubilden, obwohl das in dem einen anderen Fall auch schon geschah und durchaus ein schöner Nebeneffekt sein kann, nein, wir sind mit der Devise angetreten, um mit unseren Aktivitäten in erster Linie den Breitensportsektor abzudecken“, erklärt Eras und bekommt volle Unterstützung durch Stefanie Kelm, eine ehemalige Profispielerin, die einst mit Erfolg an Deutschen Beach-Meisterschaften teilgenommen hat. Sie erteilt nicht nur Unterricht in Latein und Sport für die 11. bis 13. Klassen des  Klemperer-Kollegs, sondern stellt sich auch gern zur Verfügung, um jungen Leuten im Volleyball etwas beizubringen. Gleiches gilt für die erfahrenen Trainer Louw Franken, Jannis Ulke und Toni Hellmuth, die vom Anfänger bis zum Profi für alle Leistungsbereiche da sind.

Der Marzahner Verein, der auch Freizeitkurse im Fußball und Angeln (!) anbietet, steht vor allem für Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, aber auch sozial Benachteiligter. Deshalb existieren sehr moderate Preise, die allerdings genommen werden müssen, um die Anlage in Schuss zu halten. Die fünf Volleyballfelder und eine kleine Fläche für Soccer und Handball sollen schließlich immer und von jedermann benutzbar sein.

Sport für Behinderte wird ebenfalls angeboten. Kein Wunder, dass der Verein 2008 als Anerkennung seiner Leistungen mit dem zweiten Platz beim Reha-Förderpreis bedacht wurde.