Landessportbund Berlin positioniert sich zu eSports

Offen für virtuellen Sport, wenn Sportwerte gelten

Nach intensiven und konstruktiven Diskussionen hat der Landessportbund Berlin seine Position zu eSports beschlossen. In einem Sechs-Punkte-Papier erkennt der LSB Berlin virtuellen Sport als Bestandteil einer globalen Jugendkultur an und sieht darin eine Herausforderung für die Vereine und Verbände im organisierten Sport. Auch zur Inklusion kann eSports einen Beitrag leisten. Zugleich betont der LSB die Werte des Sports, zu denen gerade in diesem Zusammenhang die demokratische Verfasstheit und die selbstbestimmten Regeln des organisierten Sports gehören.

Thomas Härtel, Präsident des Landessportbunds Berlin, sagt: „Wir stellen uns der Entwicklung von virtuellem Sport und wollen den Prozess aktiv begleiten. Für die Vereins- und Verbandskultur des Sports bietet eSports auch eine Chance, sich durch digitale Möglichkeiten weiterzuentwickeln. Wir sagen aber auch, welche Formen wir ablehnen. Gewaltverherrlichung und Diskriminierung wollen wir weder im realen Sport noch im e-Sport.“


Das Positionspapier im Wortlaut:

1. Video- und Computerspiele sind anerkannter Bestandteil einer globalen Jugendkultur
Zahlreiche Video- und Computerspiele gehören inzwischen fest zu einer globalen Jugendkultur. Es haben sich dabei internationale Communities gebildet, in denen häufig Gemeinschaft, Wettbewerb und Weiterentwicklung im Vordergrund stehen. Das erkennt der LSB Berlin an. Dass der Ruf laut geworden ist, diese Bewegung zum Teil des organisierten Sports werden zu lassen, sieht der LSB auch als Bestätigung für die Vereins- und Verbandskultur des Sports. Die Entwicklung von virtuellem Sport möchte der LSB Berlin daher aktiv begleiten und ist offen für Austausch und Dialog.

2. Wir brauchen die Unterscheidung zwischen virtuellen Sportarten und eGaming
Wie der DOSB sieht auch der LSB Berlin Video- und Computerspiele als stark ausdifferenziert insbesondere zwischen virtuellen Sportarten und eGaming. Jedoch will der LSB auch eGaming nicht aus dem Blick verlieren, zumal sich dort die meisten Aktiven finden. Bei einer Kategorisierung von Video- und Computerspielen sind die Grenzen fließend. Um Spiele einordnen und auf ihre Anschlussfähigkeit prüfen zu können, müssen Kriterien entwickelt werden. Das gilt gerade auch deshalb, weil das Thema eSports den organisierten Sport mit eigenen Widersprüchlichkeiten konfrontiert.

3. Die Werte des Sports müssen gewahrt werden
Für die Bedeutung des organisierten Sports wie für die Kooperation mit der eSports-Bewegung ist es elementar, dass die Werte des Sports anerkannt werden. Der organisierte Sport steht für demokratische Verfasstheit und selbstbestimmte Regeln. Gerade weil auch Werte wie Fairplay, Respekt für Regeln und Teamgeist dazu gehören, sind Video- und Computerspiele mit gewaltverherrlichenden und diskriminierenden Inhalten unvereinbar mit dem organisierten Sport.

4. eSports bietet eine Chance zur Weiterentwicklung von Vereinen und Verbänden
Eine Kernaufgabe des LSB Berlin ist die Stärkung und Förderung seiner Vereine und Verbände. Die eSports-Bewegung sieht der LSB als Chance für Vereine und Verbände, neue Zielgruppen zu erreichen, Angebote zu erweitern und das Vereinsleben zu bereichern. Gelingen kann das durch die Integration von eSports-Angeboten in Vereinsabteilungen, Vereinsheime und Sportjugendclubs. Sportsimulationen müssen mit aktiven Bewegungselementen der spielenden Teilnehmer/-innen verknüpft werden. Das Thema eSports kann auch als Motivation zur digitalen Weiterentwicklung des gesamten Vereins und Verbands genutzt werden, indem bei der digitalen Infrastruktur und Strategie neue Voraussetzungen geschaffen werden.

5. eSports kann einen Beitrag zur Inklusion leisten
Der LSB Berlin teilt die Position des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), dass eSports auch eine große Bedeutung für Menschen mit Behinderung haben kann. Dadurch können mehr Möglichkeiten für eine umfassende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben geschaffen werden. Spieler/-innen mit und ohne Behinderung können sich im gemeinsamen Spiel messen und agieren. Somit kann ein wichtiger Beitrag zur Inklusion geleistet werden, da Barrieren abgebaut und gemeinsam positive Erlebnisse gefördert werden können.

6. Für eSports müssen verbindliche Rahmenbedingungen geschaffen werden
Der LSB Berlin legt bei allen Aktivitäten ein besonderes Augenmerk auf die gesundheitlichen Auswirkungen, wie etwa die Suchtgefahr und setzt sich für einen verantwortungsvollen Umgang mit Video- und Computerspielen ein. Die Aktivitäten sollen durch geeignete Maßnahmen zur Gesundheits- und Suchtprävention begleitet werden. Darüber hinaus müssen Aspekte wie Genderneutralität, Barrierefreiheit, Anti-Diskriminierung und Gewaltprävention mitgedacht und mitgestaltet werden. Die gegenwärtige Entwicklung in Berliner Vereinen zeigt außerdem, dass einerseits eSports-Abteilungen gegründet werden, in denen sowohl virtuelle Sportarten als auch eGaming betrieben werden, ande-rerseits auch abteilungsungebundene eSports-Angebote aufgenommen werden. Das wirft Fragen zur Gemeinnützigkeit auf und macht eine Anpassung der Abgabenordnung erforderlich. Vereine und Verbände brauchen eine verlässliche Grundlage, um Angebote im Rahmen des steuerbegünstigten, ideellen Bereichs durchführen zu können.


Hintergrund
Kaum ein Thema wird im organisierten Sport derzeit kontroverser diskutiert als eSports. Inzwischen ist er Ausdruck einer weltweit vernetzen Community und hat längst Einzug in die real-digitale Welt der Sportvereine gehalten, auch in Berlin. Inzwischen engagieren sich 12 Bundesligavereine in der virtuellen Bundesliga und Championship der DFL GmbH, darunter Hertha BSC. Im Juli 2018 verständigte sich der Berliner Fußball-Verband (BFV) auf die Einführung eines eFootball Spielbetriebs. Am 15. März startet er als erster Landesverband einen Probespielbetrieb im eFootball. Insgesamt werden sich im Berliner Europa-Center 18 Mannschaften in FIFA 19 auf der PlayStation 4 im Liga-Modus miteinander messen.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte bei seiner Mitgliederversammlung im Dezember 2018 eine Position verabschiedet, in der zwischen den virtuellen Sportartensimulationen und eGaming, das aus seiner Sicht häufig nicht den elementaren Werten des Sports entspricht, unterscheidet. Der DOSB erkennt eGaming als Teil der modernen Jugend- und Alltagskultur an, sieht hier aber aufgrund des spezifischen Wertekanons keinen Raum für eigenständige Organisationsformen in Verbänden und Vereinen auf nationaler Ebene. Die Entwicklung von Qualifizierungen und pädagogischen Konzepten für den Umgang mit elektronischen Sportartensimulationen und eGaming in Vereinen will der DOSB aber unterstützen. Vereine könnten so ihre außersportlichen Angebote wie Ferienfreizeiten, Ausflüge oder zahlreiche gesellschaftspolitische Kooperationen erweitern.