„Sport ist eine Einladung an alle“

Leitbild definiert Selbstverständnis. Berliner Modell: LSB-Kommission prüft Stärkung von Vereinen. LSB richtet Good Governance-Gremium ein.

Die gut 100 Delegierten der Mitgliedsorganisationen haben auf der Mitgliederversammlung des Landessportbunds ein neues Leitbild verabschiedet.

Der Landessportbund versteht sich darin als politischer Akteur für Sportflächen, Sportförderung und Bürokratieabbau. Für die Vereine will er Dienstleistungs- und Kompetenzzentrum sein. Denn: „Sportvereine sind für uns soziale Heimat, hier entfalten sich Talent, Persönlichkeit und Leistung“, wie es im Leitbild nun heißt. „So gestalten wir Gesellschaft, ermöglichen gleichberechtigte Teilhabe und vermitteln Werte.“

Dieses Selbstverständnis ist der Kern des neuen Leitbilds, dem ein intensiver Austausch zwischen Hauptamtlichen, Ehrenamtlichen, mit Vereinen und Verbänden sowie innerhalb des Präsidiums vorausgegangen war. Angestoßen wurde dieser Prozess im April auf einer Klausurtagung des Präsidiums. In das Leitbild flossen auch Ergebnisse aus Mitarbeiter-, Vereins- und Verbandsbefragungen ein, die parallel zur Entwicklung des Leitbilds stattfanden. 

Thomas Härtel, Präsident des Landessportbunds Berlin: “Wir sind die Stimme des Berliner Sports und bewegen uns mitten in der Gesellschaft. Wir setzen mit dem neuen Leitbild ein wichtiges Zeichen nach außen. Wir klären und stärken damit unsere Rolle in den Bezirken, in der Sportmetropole Berlin und darüber hinaus. Nun geht es darum, aus den Leitsätzen konkrete Handlungsziele abzuleiten. Denn das, was heute auf Papier steht, soll morgen umgesetzt werden.”

Der Landessportbund will verstärkt gesellschaftliche Entwicklungen in den Sport übersetzen. In der Direktion des Landessportbunds wurde bereits eine Stabsstelle für Grundsatzfragen eingerichtet, die sport- und gesellschaftspolitische Debatten verfolgen und daraus zukunftsweisende Konzepte entwickeln soll.

Hier gibt es das Leitbild im Wortlaut.

Die Mitgliederversammlung stimmte einstimmig der Einrichtung einer Kommission für eine Satzungsänderung zur Stärkung von Vereinen im Landessportbund Berlin zu.

Bleibt der Landessportbund Berlin ein Verband der Verbände oder wandelt er sich zukünftig zu einem Verband der Verbände und Vereine? Diese Frage war bereits vor 70 Jahren, zur Gründung des Landessportbunds kontrovers diskutiert worden. Damals einigten sich die Delegierten auf einen Verband der Vereine und erst später wandelte sich der Landessportbund zum heutigen Verband der Verbände. Bereits vor einem Jahr stellten sich Fachverbände, Bezirkssportbünde, große Mehrspartenvereine sowie der Präsident und der Direktor des Landessportbunds die Frage, wie Vereine im Organisationsgefüge des Berliner Sports gestärkt werden können. In der “AG Große Mehrspartenvereine” wurden auch Modelle aus anderen Landessportbünden erörtert.

LSB-Präsident Härtel: “Die heute auf den Weg gebrachte Kommission wird der Frage nachgehen, wie Berliner Vereinen mehr Wertschätzung und Mitsprache eingeräumt werden kann. Ein möglicher Weg könnte sein, Vereinen die direkte Mitgliedschaft im Landessportbund Berlin zu ermöglichen und sie über die Bezirkssportbünde mit mehr Mitbestimmung auszustatten.” Ein ähnliches Modell wird bereits in Niedersachsen praktiziert, wo Vereine mit direkter Mitgliedschaft im Landessportbund ihr Stimmrecht mittelbar über die Kreis- und Stadtsportbünde ausüben.

Der Landessportbund verpflichtet sich zur Einhaltung ethischer Grundsätze und richtet ein neues Kontrollgremium ein. 

Zukünftig wird ein Ausschuss für Recht und Ethik die Einhaltung ethisch-moralischer Fragen und Angelegenheiten der guten Verbandsführung überwachen. Dieser Ausschuss beriet bisher schon das Präsidium u. a. bei der Aufnahme von neuen Mitgliedsorganisationen und sportrechtlichen Fragen aller Art und ist nunmehr auch für Fragen der guten Verbandsführung (Good Governance) zuständig. Der Ausschuss für Recht und Ethik erweitert damit die Zuständigkeit des bisherigen Ausschusses für Rechts- und Satzungsfragen. Er ist unabhängig und frei von Weisungen des Präsidiums.

 

Text: Oliver Weiß
Foto: Jürgen Engler

  • Thomas Härtel