Sportvereine stehen für ein Miteinander

30 Jahre Mauerfall aus der Sicht des Sports. 

Wenn in diesen Tagen der friedlichen Revolution und des Falls der Berliner Mauer gedacht wird, darf der Sport nicht fehlen. Der organisierte Sport war der Politik mitunter einen Schritt voraus.

Der Landessportbund Berlin (LSB) nimmt das Jubiläum des Mauerfalls auch zum Anlass, um neben der Rückschau die Rolle des Sports in der Gesellschaft zu verdeutlichen. LSB-Präsident Thomas Härtel sagt: "Heute, 30 Jahre nach Mauerfall und Sporteinheit ist der organisierte Sport die größte zivilgesellschaftliche Organisation der Stadt. Dort, wo damals eine Mauer Menschen gleicher Nationalität und kultureller Herkunft trennte, hilft er heute über Barrieren von Menschen mit anderer kultureller und ethnischer Herkunft hinweg. Indem er Begegnungen schafft, ermöglicht er soziale Teilhabe aller Menschen, mit und ohne Migrationshintergrund." Härtel weiter: "In einer Phase, in der Konflikte besonders laut ausgetragen werden und Verständigung schwierig erscheint, kann der Sport den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Denn in Vereinen ist Austausch über Milieus hinweg möglich."

Norbert Skowronek, zum Mauerfall Direktor des Landessportbunds erinnert sich genau an das bewegende Ereignis: "Es war absolut euphorisch. Ich war beim Berliner Hockey-Club. Zwei frühere Präsidenten haben gesagt: ‚Wir fahren jetzt mal zur alten Brücke der Einheit. Da kommen so viel Trabis, die begrüßen wir alle mit einem Glas Sekt."

Was folgte war ein Aufeinanderzugehen. Die Berliner Sportvereine haben sehr schnell Kontakte aufgenommen und Freundschaftsspiele organisiert. Dabei wurden sie vom Landessportbund unterstützt. So fanden regelmäßige Informationsveranstaltungen für ostdeutsche Sportvereine statt. Eine Woche nach Grenzöffnung trat der SC Einheit Pankow beim Hallenfußallturnier der Schüler von Rapide Wedding an. Bis zum 31. Dezember 1989 gab es bereits 200 Sportbegegnungen zwischen Ost- und West-Berlin.

Der Berliner Sport stand vor großen Herausforderungen und damit verbundenen Umbrüchen und Neubestimmungen: Erhalt der betriebseigenen Sportstätten, Kinder- und Jugendsportschulen, Integration von Trainern und Aktiven in die Olympiastützpunkte, Ausbau des Breiten- und Freizeitsports, Gründung neuer Vereine und nicht zuletzt Weiterbeschäftigung von Ehren- und Hauptamtlichen in einem neuen politischen System. Einen Tag nach dem Fall der Mauer traf sich das Präsidium des Landessportbunds Berlin zu einer Klausurtagung des LSB-Präsidiums. Hauptthema: Grenzöffnung.

Am 11. November 1989 besuchten 12.000 DDR-Bürger bei freiem Eintritt das Zweitligaspiel Hertha BSC – SG Wattenscheid im Olympiastadion.

Eine Woche später verständigten sich der Deutsche Sportbund (DSB) und der Deutsche Turn- und Sportbund der DDR (DTSB) in Frankfurt a. M. auf einen "freien und unreglementierten Sportverkehr". Am 22. November 1989 fand das erste Spitzentreffen zwischen dem Landessportbund Berlin und dem Deutschen Turn- und Sportbund der DDR (DTSB) statt. Das Treffen fand zwei Wochen vor der offiziellen Gesprächsaufnahme der Bürgermeister von Ost- und West-Berlin statt.

Am 15. Juni 1990 wurde der Gesamtberliner Sport offiziell zusammengeführt. „Der Zusammenschluss „war ein einmaliges geschichtliches Erlebnis“, so Norbert Skowronek, „bei dem man mittendrin war, gefordert war, und seinen Beitrag geleistet hat, dass etwas Vernünftiges dabei herausgekommen ist.

Ein Jahr nach dem Mauerfall, in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1990, zogen Jugendliche der Sportjugend Berlin aus beiden Teilen der Stadt vor dem Reichstagsgebäude die Bundesfahne auf. Dieser ‚Staatsakt’ fand Aufnahme in die Geschichtsbücher.?

Am 30. September 1990 führte der Berlin-Marathon erstmals durch das Brandenburger Tor. 3. Oktober 1990: Fahnenhissung der Sportjugend vor dem Reichstag. Berlin-Marathon führte 1990 zum ersten Mal durch das Brandenburger Tor.

Am 1. Januar 1991 wurden erstmals die neuen Gesamtmitglieder statistisch erfasst. Zählte der Landessportbund im Jahre 1989 noch 370.000 Mitgliedschaften, stieg die Zahl zwei Jahre später auf gut 450.000.

Zum Jubiläum hat der Landessportbund ein Video veröffentlicht.

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