Was wird aus dem Olympiastadiongelände?

Podiumsdiskussion in der Bildungsstätte der Sportjugend

„Wie sieht die Zukunft des Berliner Olympiaparks aus?“ Die Frage wird wieder heftig diskutiert, seitdem die Pläne von Her- tha BSC für den Neubau eines Stadions bekannt sind. Die Fraktion Bündnis90/ Grüne im Abgeordnetenhaus hatte eine Podiumsdiskussion organisiert. Ein offizieller Vertreter von Hertha BSC erschien trotz Einladung nicht.

60 Gäste kamen in die Bildungsstätte der Sportjugend Berlin. Der Ort war nicht zufällig gewählt. In diesem Haus findet die außerschulische Bildungsarbeit der Sportjugend statt und es steht genau dort, wo Hertha ein neues Fußballstadion bauen will. Die 24 Wohnungen auf dem Nachbargrundstück sind ebenso betroffen. Sportstaatssekretär Aleksander Dzembritzki erklärte noch einmal den Standpunkt des Senats: Für die Bildungsstätte und die Wohnungen muss im Falle eines Stadionneubaus adäquater Ersatz geschaffen werden. Er kündigte an, dass noch im April mit weiteren Entscheidungen gerechnet wird.

Bei der Podiumsdiskussion ging es um den gesamten Olympiapark. „Ein großer Teil liegt im Dornröschenschlaf“, sagte die sportpolitische Sprecherin der Grünen, Nicole Ludwig. Dabei sei schon vor 15 Jahren ein Leitkonzept für die Entwicklung des Areals vorgelegt worden, sagte Moderator Ulrich Zawatka-Gerlach vom Tagesspiegel. „Fast alles ist aber wieder in der Schublade verschwunden.“ Friedhard Teuffel, Direktor des Landessportbunds Berlin, erinnerte an eine weitere Studie aus dem Jahr 2011: „Was fehlt, ist die Umsetzung. Es ist zu wenig Leben auf dem Gelände.“ Der LSB wolle dazu beitragen, dass der Park noch mehr für den Sport genutzt wird, und was alles möglich sei, könne zum Beispiel beim Familiensportfest im Olympiapark erlebt werden. Es findet in diesem Jahr am ersten Augustwochenende zum zehnten Mal statt und erstmals samstags und sonntags.

Inzwischen liegt eine weitere Studie für den Olympiapark vor, die sich mit der Instandsetzung beschäftigt. „Das Papier wird im Senat ausgewertet. Dann werden die Ergebnisse veröffentlicht“, sagte Dzembritzki. Schon jetzt gibt es Diskussionen um den Denkmalschutz: Sollen zweistellige Millionenbeträge für die Sanierung der Tribünen des Schwimmstadions ausgegeben werden, in dem wegen internationaler Bestimmungen niemals wieder Wettkämpfe ausgetragen werden?

Zustimmung von allen Podiumsteilnehmern erntete Petra Vandrey, Vorsitzende der BVV-Fraktion Bündnis90/Grüne in Charlottenburg-Wilmersdorf: „Mein Horrorszenario ist, wenn neben einem neuen Stadion das Olympiastadion verrottet. Alle Vereine und auch Hertha sollten sich an der Diskussion um ein Gesamtkonzept für den Olympiapark beteiligen.“ A.B.

Fotograf: Jürgen Engler

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