Berliner Ruderclub Welle-Poseidon feiert 125. Geburtstag

Traditionsverein am Großen Wannsee hat eine bewegte Geschichte/LSB-Präsident Thomas Härtel und Vizepräsident Karsten Finger gratulierten beim Festakt

Der Berliner Ruderclub Welle-Poseidon feierte am 12. März seinen 125. Geburtstag. Vorsitzender Detlef Heinrich begrüßte beim Festakt im Vereinsheim am Großen Wannsee viel Prominenz.

Der Traditionsverein hat eine bewegte Geschichte: In der Nazi-Zeit traten die nicht-jüdischen Mitglieder geschlossen aus, um ihren jüdischen Kameraden weiterhin das Rudern zu ermöglichen. Später folgten Zwangsauflösung, Wiedergründung und Umzug an den Wannsee. „Doch eins blieb immer gleich“, heißt es in der Chronik, „hier saßen immer Menschen in einem Boot, unabhängig von Religion und Weltanschauung.“

„Der Deutsche Ruderverband hat die Geschehnisse zwischen 1933 und 1945 nicht ausreichend aufgearbeitet hat“, sagte Helmut Griep, Ehrenvorsitzender des DRV, in seinem Grußwort beim Festakt. „In vielen Vereinsfestschriften werden die Ausschlüsse jüdischer Mitglieder nicht ausreichend erwähnt. Ich verspreche, dass wir das nachholen werden.“

Auch Thomas Härtel, Präsident des Landessportbund Berlin, ging beim Festakt auf das Thema ein: „Die Geschichte des Berliner Ruderclub Welle-Poseidon lehrt, dass es gilt, allen Anfängen zu wehren, damit so etwas nie wieder passiert."

Karsten Finger, Vorsitzender des Landesruderverbandes Berlin und LSB-Vizepräsident, hob hervor, dass der Berliner Ruderclub Welle-Poseidon die Ruderausbildung für Kinder und Jugendliche seit vielen Jahren gemeinsam mit dem Nachbarverein Potsdamer Ruder Club Germania organisiert. „Gemeinsame Wege zu gehen, ist eine lohnende Sache.“ Er betonte außerdem, dass die Hälfte der rund 200 Vereinsmitglieder Mädchen und Frauen sind. „Das sollte für andere Vereine Vorbild sein“, sagte er, „weil bei den Olympischen Spielen in Tokio erstmals gleich viele Frauen wie Männer startberechtigt sind und weil wir noch mehr Frauen fürs Ehrenamt in den Vereinen und Verbänden gewinnen möchten.“

Artikel aus der LSV-Verbandszeitschrift „Sport in Berlin“, Ausgabe 1,2-2019:

Ein ganz besonderer Ruderverein

Der Berliner Ruder-Club Welle Poseidon war in der NS-Zeit eine rühmliche Ausnahme

Auf den ersten Blick ist der Berliner Ruder-Club Welle Poseidon, der im März 2019 sein 125. Jubiläum feiert, ein Ruderverein wie viele andere. Seit 1962 am Großen Wannsee ansässig bildet das Freizeitrudern den Schwerpunkt der Aktivitäten. Neben Ausfahrten auf dem Wannsee organisiert „Welle Poseidon“ mit gut 230 Mitgliedern häufig mehrtägige Wanderruderfahrten auf großen Flüssen und ist bei Rudersternfahrten dabei. Seit Anfang der 1980er Jahre gibt es sogar eine kleine Segelabteilung.

Das Rudern als Leistungssport ist heute auf den Kinder- und Jugendbereich fokussiert. Zu diesem Zweck hat der BRC im Jahre 2005 gemeinsam mit dem Nachbarverein Potsdamer Ruderclub Germania den Nachwuchsverein Wassersportclub WannseeLöwe gegründet. „Wir haben ein tolles Verhältnis zu unseren Nachbarn. Um die Energie bei der Jugendförderung zu bündeln, haben wir schon vor mehr als zehn Jahren diesen Schritt gemacht“, berichtet der BRC-Vorsitzende Detlef Heinrich.

Eine komplette Fusion der Vereine habe aber nie zur Debatte gestanden, ergänzt Heinrich. Zum einen hätten beide Clubs unterschiedliche Philosophien, zum anderen ließe sich die Vereinsarbeit dann nicht mehr allein mit ehrenamtlichen Kräften bewältigen. „Allein für die Verwaltung der Mitgliedschaft bräuchte man dann hauptamtliche Mitarbeiter“, ist der Vereinschef überzeugt.

Doch betrachtet man die Geschichte von „Welle-Poseidon“, so stellt sich der Club als anders dar als andere Berliner Ruder- oder Sportvereine. In den 1920 Jahren hatte der zunächst in Stralau beheimatete Verein zahlreiche jüdische Mitglieder. Mit der Machtübernahme der Nazis 1933 wurde der Verein, der sich durch eine große Solidarität zwischen jüdischen und nichtjüdischen Ruderern auszeichnete, immer mehr Ziel von Benachteiligungen. Wegen seiner vielen jüdischen Kameraden wurde der BRC aus allen Sportverbänden ausgeschlossen.

Obwohl NS-Funktionäre Druck machten, weigerten sich die christlichen Ruderer beim BRC, ihre jüdischen Kameraden auszuschließen, was bei unzähligen anderen Vereinen der Fall war. Stattdessen verließen die nichtjüdischen Sportler den Club, um es den jüdischen Mitgliedern zu ermöglichen, weiterhin im Verein zu rudern. Gleichwohl ruderten zumindest bis Mitte der 1930er Jahre auch nichtjüdische Sportler informell mit ihren jüdischen Kameraden weiter. Der Verein musste sich allerdings 1936 in „Jüdischer Ruder-Club Welle Poseidon“ umbenennen und verlor im gleichen Jahr sein 1925 erworbenes schönes Bootshaus in Grünau, sodass er fortan nur noch einen verwahrlosten Teil der Bullenbruchinsel nutzen konnte. Schließlich kam es 1939 die Zwangsauflösung.

Nicht zuletzt mithilfe von Vereinskameraden gelang vielen jüdischen Ruderern noch vor dem Massenmord durch die Nazis die Emigration. Andere aber fielen auch dem Massenmord zum Opfer. Emigrierte Ruderer gründeten in den USA, Australien, Südamerika und Afrika neue Clubs unter der Fahne von Welle Poseidon. Eine Reihe von ihnen unterstützten die in Berlin Gebliebenen nach dem Zweiten Weltkrieg beim sportlichen Wiederaufbau.

Doch schon Ende der 1940er Jahre verließ der Club Grünau in Richtung West-Berlin, um sich der Einflussnahme durch die SED im Ostteil zu entziehen. Es dauerte bis 1962, ehe am Großen Wannsee dauerhaft eine neue Heimat gefunden war. Dabei halfen auch emigrierte Vereinsmitglieder wie Leo Bein, Willy Coper und Ursel Fisch – einige von ihnen aus dem Exil zurückgekehrt. Ab 1974 konnten endlich auch Frauen gleichberechtigte Mitglieder werden, wenngleich es auch davor einzelne Ruderinnen beim BRC gegeben hatte. Text: Sven Wierskalla

  • LSB-Präsident Thomas Härtel, Vereinsvorsitzender Detlef Heinrich
  • LSB-Vizepräsident Karsten Finger, Detlef Heinrich
  • Festakt im Vereinsheim am Großen Wannsee
  • Bootstaufe
  • Nachwuchsarbeit spielt bei Welle-Poseidon eine große Rolle