„Vereine und Digitalisierung”

LSB-Diskussionsreihe „Sport.Vereine.Zukunft: Berlin” fortgesetzt.

Viele Vereine wissen, dass ihre Zukunft digital ist. Sie fragen sich aber zugleich, was die Digitalisierung für ihre Arbeit bedeutet und wie sie zeitgemäße Automatierungs- und Kommunikationstechnologie für sich einsetzen können. Der LSB hat deshalb seine Diskussionsreihe „Sport.Vereine.Zukunft: Berlin”, die im Juni 2018 gestartet wurde, mit der Veranstaltung „Vereine und Digitalisierung” am 10. Dezember 2018 fortgesetzt.

Dr. Tobias Knobloch von dem Beratungs- und IT-Dienstleistungsunternehmen Capgemini Deutschland GmbH machte in seinem Vortrag von Beginn an deutlich: „Die Technik soll dem Menschen dienen und nicht umgekehrt.” Er rät Sportvereinen, nicht um jeden Preis und zum Selbstzweck technische Neuerungen einzuführen, sondern nur dann, wenn diese Neuerungen angemessen sind und personell und finanziell gestemmt werden können.

Ganz besonders wichtig ist für ihn die große Verantwortung, die die Vereine tragen: „In Berlin gibt es 660.000 Sportvereinsmitglieder. Viele Großstädte in Deutschland haben nicht so viele Einwohner. Der Einfluss und die Macht der Vereine sind groß. Sie haben eine Verantwortung in Bezug auf ihr ethisches Handeln.” An Sportvereine würden, wie an staatliche Stellen auch, höhere Ansprüche gestellt. „Vereine können es sich nicht leisten, hemdsärmlig vorzugehen, zum Beispiel beim Datenschutz”, sagte er.

Das bestätigt Martina Prahl. Die 37-jährige Diplom-Ingenieurin ist seit kurzem Vorsitzende des Voltigierverein Spreeteam e. V.: „Drei von fünf Mitgliedern in unserem Vorstand sind neu. Wir suchen nach neuen Ideen, vor allem in der Kommunikation. Einer mag Mailings, der andere Newsletter. Welche Kommunikations-Tools gibt es noch? Deshalb bin ich heute hier. ”

Sascha Dibowski (40), stellvertretender Vorsitzender des Tegeler Schützen-Vereins, ist vor allem deshalb gekommen, um zu erfahren: „Wie gewinnen wir neue Mitglieder?” Auf normalem Weg sei das kaum noch möglich. „Wir müssen Wege finden, unseren Verein zu zeigen, präsent zu sein - mit einer vernünftigen Homepage für junge Leute, mit Facebook und Twitter. Digitalisierung im Verein ist wichtig.”, so der IT-System-Kaufmann, der sich seit 20 Jahren in seinem Verein engagiert.

Susanne Clark (51) gibt selbst Seminare für einen Software-Hersteller. Ehrenamtlich kümmert sie sich um Digitalisierung im Potsdamer Yacht Club. „Ich will heute vor allem erfahren, wie andere Vereine mit dem Thema umgehen. Gern gebe ich auch meine Erfahrungen weiter. Außerdem will ich meine Vereinsmanger-Lizenz verlängern.”

Tobias Knobloch ermunterte mit seinem Vortrag die rund 60 Vereinsvertreter, die an diesem Abend in die Gerhard-Schlegel-Sportschule gekommen waren, moderne Technik in ihren Vereinen zu nutzen. Bei der Frage „Welche technische Anwendungen bieten sich an?” empfiehlt er, nach kostenfreien oder kostengünstigen Lösungen zu suchen, die eventuell einen Mehrwert für mehrere Bereiche haben. Er nennt Einsatzmöglichkeiten wie Verwaltung und Organisation, Kommunikation, Vermarktung, Gewinnen neuer Mitglieder und Sponsoren. Sein Fazit: „ Es geht um ein gedeihliches Miteinander und kein Gegeneinander von Mensch und Technik.” Die Digitalisierung werde nicht den Menschen ersetzen. Er ist sich sicher: „Vereinsarbeit wird ein zutiefst menschliches Business bleiben.”

Weil ein Vortrag und vier anschließende Workshops nicht alle Fragen der Vereinsvertreter beantworten können, setzt der LSB seine Diskussionsreihe „Sport.Vereine.Zukunft: Berlin” fort. Darüber informierten die Organisatoren, die LSB-Abteilungsleiter Anke Nöcker und Dr. Christian Haberecht. Zu den nächsten Themen gehört Sportinfrastruktur. Um „Mitarbeit im Verein: Personalentwicklung für Ehrenamt und Hauptamt” geht es dann bei der LSB-Sportentwicklungskonferenz am 20./21. September 2019

Ein kurzer Film über die Veranstaltung ist hier zu sehen.

Text: Angela Baufeld

Fotos: Jaro Suffner

  • LSB-Tagung „Vereine und Digitalisierung" 10.12.18
  • Workshop
  • Dr. Tobias Knobloch