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Was tun bei rassistischen Anfeindungen?

LSB-Diskussionsveranstaltung im Rahmen des Programms „Integration durch Sport” mit Vereins- und Verbandsvertretern

Robert Claus ist Mitglied der „AG Vielfalt” beim Deutschen Fußball-Bund. Er forscht seit Jahren im Spannungsfeld von Sport, Rechtsextremismus, Geschlechterdebatte und Migration und sagt, im Fußball gebe es deutlich mehr Gewalt als in anderen Sportarten, zum Beispiel Schwimmen. „Fußball besitzt eine hohe Integrationskraft, lädt viele zum Mitspielen ein. Aber Fußball fordert auch ein klares ‘Wir gegen die anderen’. Dies werde, so Robert Claus, „oft durch zivilisatorische Überlegenheit, militärische oder sexualisierte Dominanz verbildlicht”.

Das Thema wirke in alle Bereiche der Gesellschaft. Er nannte u. a. als Beispiel die Werbewirtschaft. Der Autovermieter Sixt hatte bei der Fußball-WM 2010 vor dem Deutschlandspiel gegen Ghana mit einem Plakatmotiv geworben, auf dem der Slogan stand „Der Sixt-WM-Tipp: Ghana - das könnte eng werden”. Deutschland wurde als ein teures Auto dargestellt, Ghana als ein mit Schachteln, Bündeln und Päckchen überladener Pickup. „Mancher Nationalismus agiert mit einem in ‘Witz’ verpackten zivilisatorischen Überlegenheitsgefühl”, so Robert Claus.

Nicht nur Fußballvereine sind betroffen

Nicht nur Fußballvereine müssen sich immer wieder mit rassistischen Anfeindungen auseinandersetzen müssen. Auch andere Sportvereine und ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter, die sozial Schwache, Menschen mit Migrationshintergrund und Geflüchtete unterstützen, sind mit diesen Problemen konfrontiert. Um die betroffenen Vereine, ihre Sportlerinnen und Sportler und Mitarbeiter zu unterstützen, organisiert der Landessportbund Berlin regelmäßig Info-Veranstaltungen, Fachgespräche und Vorträge über diese Themen. Am 12. November hatten die LSB-Verantwortlichen für das Programm „Integration durch Sport” zur Diskussionsveranstaltung „Sport, Integration und Rassismus - Ein zivilgesellschaftliches Spannungsfeld” ins Haus des Sports eingeladen.

Robert Claus begann seinen Impulsvortrag mit Ergebnissen einer Umfrage, die die Friedrich-Ebert-Stiftung 2016 unter dem Titel „Gespaltene Mitte - Feindselige Zustände” veröffentlichte. Die Zahl der Menschen, die der Aussage „Es leben zu viele Ausländer in Deutschland” zustimmten, lag bei 17,6 Prozent (44,1 stimmten überhaupt nicht zu). Der Aussage „Durch die vielen Muslime hier fühle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land” stimmten 18, 1 Prozent zu (47 Prozent stimmten überhaupt nicht zu).

Drei-Wege-Gegenstrategie

Robert Claus empfiehlt eine Drei-Wege-Gegenstrategie bei rassistischen Anfeindungen: Prävention, Früherkennung, Intervention. Prävention heißt für ihn Vorbeugung und Sensibilisierung. Er plädiert für eine Kultur der Anerkennung, Wertschätzung und Vielfalt, die auch mit Hilfe von Workshops umgesetzt werden kann. Früherkennung setzt Beobachten und Kommunizieren voraus: Was passiert in sozialen Medien? Gibt es in den Vereinen Ansprechpartner für diese Themen und sind die Namen bekannt? Intervention bedeutet, dass Vorfälle bearbeitet, Täter bestraft, Betroffene unterstützt und Zeugen sensibilisiert werden.

Er hob die Arbeit des Deutschen Fußball-Bundes hervor. Der DFB unterstütze Projekte und Maßnahmen in den Vereinen, die sich mit Rassismus auseinandersetzen. Vorbildliche Initiativen würden ausgezeichnet werden. Ein Beispiel ist der Julius-Hirsch-Preis, der am 18. November an Hertha BSC und das Fanprojekt der Sportjugend für das Kooperationsprojekt „Aus der eigenen Geschichte lernen” verliehen wird.

Die Diskussion wird fortgesetzt

Das Schlusswort von Robert Claus („Maßnahmen gegen Diskriminierung müssen konstant durchgeführt werden und systematisch gedacht werden, um wirken zu können.”) ist zugleich das Credo der LSB-Verantwortlichen für das Programm „Integration durch Sport”, die den Diskussionsabend organisiert haben. Sie baten im Anschluss an den Vortrag Biplab Basu von „Reach Out” ans Mikrofon. Die Berliner Beratungsstelle engagiert sich seit Jahren für Menschen, die Rechtextremismus, Ausgrenzung und Übergriffe am eigenen Leib erfahren mussten. Danach ging der Meinungsaustausch in Arbeitsgruppen weiter. Es wurde über Sportvereine als soziale Gestalter, Gewinnung von Migranten/-innen als Mitglieder, Interkulturelle Öffnung von Vereinen und Sport mit Geflüchteten gesprochen. Die Teilnehmer waren sich einig: Es wird weitere Veranstaltungen zu diesem Thema geben und der Kontakt zu Partnern weiter ausgebaut.

 

Text & Foto: Angela Baufeld

  • LSB-Diskussionsveranstaltung „Sport, Integration und Rassismus - Ein zivilgesellschaftliches Spannungsfeld”