News

Sportabzeichen wird in Berlin immer beliebter

2018 wurden in Berlin 22.351 Sportabzeichen abgelegt. Das sind 914 mehr ein Jahr zuvor.

Auch die Zahl der Schulen steigt, die sich am Sportabzeichen-Wettbewerb beteiligen: An 124 Schulen (ein Jahr zuvor 111) haben 18.043 Schüler/-innen die Sportabzeichen-Prüfung bestanden. Das sind 890 mehr als 2017. Das Anne-Frank- Gymnasium ist die sportlichste Schule: Dort wurden die meisten Sportabzeichen-Urkunden ausgestellt: 479. Gefolgt von der Mary-Poppins-Grundschule mit 425.

Am Vereinswettbewerb haben sich 71 Vereine beteiligt. Sie meldeten 3.449 Sportabzeichen. Auch das ist eine Steigerung: 233 mehr als im Vorjahr. Ganz vorn im Vereinswettbewerb landete der TSV GutsMuths, wo 176 Sportabzeichen-Absolventen registriert wurden, dicht gefolgt von LC Stolpertruppe (171) und dem Schwimmverein Berolina (164).

Die Schulen und Vereine wurden im Haus des Sports von LSB-Vizepräsidentin Claudia Zinke geehrt.

Sehen, was geht: 

Monika Kollstedt ist die erste Berlinerin, die die Bedingungen für das Deutsche Sportabzeichen zum 60. Mal erfüllt hat

Seit 1959 hat Monika Kollstedt jedes Jahr – lückenlos! – ihre sportliche Vielseitigkeit unter Beweis gestellt: Sie erfüllte 60 Mal hintereinander die Bedingungen für das Deutsche Sportabzeichen und ist damit die erste Frau in Berlin, die das geschafft hat.

Für Monika Kollstedt ist das Deutsche Sportabzeichen eine Art „TÜV“. „Ich will mich überprüfen, möchte wissen, was ich noch kann und was nicht“, sagt die 78-Jährige. Auch wenn Sie mittlerweile überlegen muss, in welchen Disziplinen sie zur Prüfung antritt. Denn ihre Leistungen zieht sie „nicht mehr einfach so aus dem Hut“, so bleibt sie trotzdem dran. „Ich war nie besonders ehrgeizig, es gab viel bessere Sportlerinnen als mich, aber keine hat so kontinuierlich das Abzeichen gemacht wie ich“, sagt die geborene Berlinerin dann doch ein wenig stolz. Die Ehrung durch den DOSB ist ihr jedoch fast ein wenig peinlich – Monika Kollstedt steht nicht gern im Mittelpunkt.

Bruder ist sportliches Vorbild

Zum Sport kam die sportliche Berlinerin über ihren vier Jahre älteren Bruder. Als Kriegskind, das mit seiner Familie in Ostpreußen evakuiert war, um kurze Zeit später im Treck wieder Richtung Westen zu ziehen, waren die Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen, jahrelang sehr schwierig. „Unser Schulunterricht fand nach Kriegsende in Schichten statt“, erklärt sie. „Mein Bruder hat mich immer angehalten, Sport zu treiben und nahm mich eines Tages mit zum Training.“ Wie ihr Bruder spielte Monika Kollstedt Handball und zeigte leichtathletisches Talent auf den Mittelstrecken. „Mit 13 Jahren wurde ich richtig aktiv und trat dem katholischen Jugendsportverband Deutsche Jugendkraft (DJK) bei.“ Ihrem Verein blieb sie über 60 Jahre treu. „Alle in der Mannschaft haben nebenbei Leichtathletik gemacht. Wir waren früher sehr vielseitig.“

Sportstudium, Heirat, Familie und immer sportlich aktiv

Mit 20 beginnt die sportliche Steglitzerin ein Studium an der Pädagogischen Hochschule in Lankwitz. „Ich wollte Sport unterrichten und wählte die Ausrichtung Leibeserziehung.” Auch während ihres Studiums und ihrer Arbeit an der Schule blieb Monika Kollstedt immer aktiv. 1966 heiratete sie ihren Mann - mit dem sie ihre Leidenschaft für den Sport teilt. Erst mit der Geburt ihrer Tochter 1968 gab sie den Handballsport auf. „Der Spielbetrieb an den Wochenenden war mit Kind einfach zu zeitaufwendig“, erzählt sie. „In der Leichtathletik blieb ich aber nebenher immer aktiv.“ Als qualifizierte Sportlehrerin betätigte sie sich außerdem als Übungsleiterin in der DJK.

Motor für die 70er-Laufbewegung

Anfang der 70er kommt die Trimm-Dich-Bewegung des Deutschen Sportbundes auf. „Trimmy“, das Maskottchen der Bewegung wirbt mit Sprüchen wie „Lauf mal wieder“ oder „Trimm dich am Feierabend“. Auch Monika Kollstedt, die bereits Mitte der Sechziger studentische „Berliner Waldlaufmeisterin“ wurde, lebt den Zeitgeist. Beim Zehlendorfer Verein „Z 88“ schließen sich ehemalige Leichtathletinnen in einer Frauenmannschaft zusammen und werden nach der Familienphase wieder aktiv. Monika Kollstedt läuft jetzt fast jedes Wochenende an der Zehlendorfer Rodelbahn und unterstützt die LG Süd bei Wald- und Volksläufen als Helferin. „Wir traten früher in Mehrkämpfen an und waren nicht wie heute auf eine Sportart spezialisiert“, erklärt die Jubilarin, die sich stets für den Breitensport stark machte.

61. Sportabzeichen steht an

Das Deutschen Sportabzeichen ist für sie Routine geworden. 2018 ließ sie sich – ohne extra dafür zu trainieren – in 200 m Schwimmen, Medizinball Weitwurf, 25 m Kraulschwimmen und Seilspringen prüfen. Sie hat natürlich bestanden. Neben täglichen Gymnastikübungen geht Monika Kollstedt gern Radfahren. Mit einer Freundin macht sie mit dem Rad Tagestouren – etwa an den Elbe-Radweg. „Meinem Mann ist das zu leicht. Der macht anstrengendere Touren und ist einige Marathons gelaufen.“ Soweit es gesundheitlich möglich ist, möchte die sportliche Berlinerin gemeinsam mit ihrem Mann reisen – und das Sportabzeichen machen. Ziele für 2019? „Das ergibt sich“, sagt die 78-Jährige. „Ich werde sehen, was geht.“

Text/Foto: Petra Lang

  • Ehrung der Sportabzeichen-Jubilare im Haus des Sports
  • Monika Kollstedt ist die sportlichste Berlinerin