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Radfahren, schwimmen, joggen gegen Arthrose

Prof. Dr. Roland Becker von der Medizinischen Hochschule Brandenburg sprach beim LSB-Gesundheitsforum „Bewegung, Sport und Gelenke"

Das 12. Gesundheitsforum, initiiert vom Landessportbund gemeinsam mit der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin sowie dem Sportärztebund Berlin-Brandenburg, fand ein starkes Echo in der Gerhard-Schlegel-Sportschule am Priesterweg und ein äußerst positives Feedback bei allen Beteiligten. Dr. Jürgen Wismach, Vorsitzender der LSB-Kommission Gesundheitssport und Präsident des Sportärztebundes, hatte einst die Idee, Praktiker und Theoretiker an einen Tisch zu bitten, sprich Ärzte und Therapeuten, Trainer und Übungsleiter sowie Sportler und am Thema interessierte Bürger zu einem Symposium einzuladen, um über aktuelle gesundheitliche Fragen zu diskutieren. Diesmal ging es um „Bewegung, Sport und Gelenke“.

In seinem Einführungsvortrag setzte sich Prof. Dr. Roland Becker, Klinik-Direktor des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Medizinischen Hochschule Brandenburg, mit akuten, chronischen und spezifischen Sportverletzungen auseinander, wobei er „Arthrose und Sport“ in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellte. Es waren Aussagen von alarmierendem Charakter in Bezug auf den Zustand der Knie- und Hüftgelenke vieler Menschen. Hatten 1990 bei den über 65-Jährigen in Deutschland 19 Prozent Probleme mit ihren Knie- und Hüftgelenken, so werden es 2030 bereits 26,1 Prozent sein – Tendenz steigend, was allerdings nicht zuletzt mit dem Älterwerden unserer Gesellschaft zusammenhängt. Übrigens sind wesentlich mehr Frauen als Männer von Arthrose betroffen.

Der Orthopäde räumte mit dem oft gehörten Vorurteil auf, dass durch Marathon oder andere Langstreckenläufe Arthrose ausgelöst wird. „Das Gegenteil ist der Fall“, so seine Aussage. „Läufer besitzen ein um 50 Prozent geringeres Risiko, weil durch die körperliche Belastung die Muskulatur gestärkt wird, die letztendlich wie ein Stoßdämpfer wirkt und die Gelenke schützt.“ Er selbst hat schon zweimal an dem berühmten 42,195 km langen Rennen durch die Berliner City teilgenommen und weiß also nicht nur aus Studien, sondern aus eigener Erfahrung, wie es sich mit dem Laufen verhält, sofern man richtig und gut trainiert.

Um die Lebensqualität zu verbessern und die physische Leistungskapazität zu erhalten, schlug Dr. Roland Becker täglich eine 30- bis 60-minütige körperliche Belastung vor, um so das Risiko einer Herzkrankheit zu vermindern. Gleiches gilt für Schlaganfall, Bluthochdruck und Altersdiabetes, aber auch Kolon- und Brustkrebs. „Inaktivität“, so seine weitere Schlussfolgerung, „birgt den Verlust von aerober Fitness, von Koordination (Gleichgewicht, Reaktionsfähigkeit), Haltungsreflexen und Muskelmasse. Dazu wird die Entstehung von Osteoporose besonders bei Frauen gefördert.“ Seine Empfehlung lautet deshalb: Viel Fahrradfahren, Schwimmen oder Jogging.

Der Vortrag stimmte nachdenklich und enthielt viel Wissenswertes. Das wurde anschließend in sechs Praxis-Seminaren vertieft:

Faszien vom Muskel bis hin zum Gelenk. Die Sporttherapeutin und Heilpraktikerin Marion Glogowski-Preuss erläuterte nicht nur, was Faszien sind – mit Nerven versehene Bindegewebshüllen, die die Muskulatur umhüllen. Sie zeigte vor allem, wie mit gezielten Übungen ein Gefühl des Wohlfühlens und der Beweglichkeit innerhalb der Gelenke erreicht werden kann.

Laufanalyse – Verletzungsursachen erkennen, Beschwerden vorbeugen. Diplom-Wissenschaftlerin Maria Neutzner von der Charité und B- Leichtathletik-Trainerin wies speziell daraufhin, dass das Laufen die Grundlage für viele Sportarten bildet. Fehlbelastungen und Fehlverhalten führen oft zu Beschwerden und Verletzungen. „Eine konkrete Analyse mit Beratungsgespräch und Therapieempfehlungen dient dazu, schmerzhafte Probleme zu lösen.“

Sportschuhwahl und Einlageversorgung – Möglichkeiten zur Vermeidung und Behandlung von Gelenkschmerzen. Sensomotorik-Therapeut Stephan Höhmann wies auf die verschiedenen Funktions- und Bauweisen von Schuhen hin, ob sie nun beim Training, Wettkampf, Trail und Walking benutzt werden.

Beweglichkeitstraining für Halswirbelsäule-Schulter-Nacken. Frank Jürgens zeigte Übungen, um degenerativen Prozessen in diesem Bereich gezielt entgegenzuwirken, um Flexibilität, Elastizität und Geschmeidigkeit wieder zu erreichen und um Verspannungen, Verklebungen und Schmerzen aufzulösen.

Funktionelle 3-D-Bewegungen des Hüftgelenks mit Dipl.-Sportwissenschaftler Oliver Hartelt. Beuger und Strecker ermöglichen die nötige Beweglichkeit, wobei das Hüftgelenk als das wichtigste Gelenk des menschlichen Körpers gilt.

Rehasport mit Gelenkpatienten/innen – für die Medizinpädagogin Sonja Hupfer ein heißes Eisen, denn das Training muss sehr vorsichtig dosiert und ausgeübt werden, besonders nach einer Knie- oder Hüftoperation. Ziel sei die Verbesserung von Kraft, Ausdauer, Flexibilität und Koordinationsvermögen. Die Kurse sind nur Ergänzungsmaßnahmen zur Unterstützung, zu Hause muss jeder an sich selbst arbeiten, um wieder voll fit zu werden.

Text/Fotos: Hansjürgen Wille

  • Gesundheitforum mit Praxisseminaren
  • Dr. Jürgen Wismach, Prof. Dr. Roland Becker
  • Begrüßung in der Gerhard-Schlegel-Sportschule