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Erster deutscher Olympiasieger gewürdigt

Südtorweg am Olympiagelände heißt jetzt Carl-Schuhmann-Weg 

Carl Schuhmann von der Berliner Turnerschaft gewann bei den Olympischen Spielen 1896 in Athen vier Gold- und eine Bronzemedaille. Er ist erfolgreichster Teilnehmer dieser Spiele und erster deutscher Olympiasieger der Neuzeit.

Bei der feierlichen Umbenennung am 6. August mit dabei waren u. a. Carl Schuhmann (gleichnamiger Enkel des Olympiasiegers), LSB-Präsident Klaus Böger, LSB-Ehrenpräsident Peter Hanisch, Sportstaatssekretär Aleksander Dzembritzki und Reinhard Naumann, Bürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, mit dabei.

Klaus Böger würdigte Carl Schumann: „Carl Schuhmann hat eindrucksvoll Sportgeschichte geschrieben. Deshalb war er im Jahre 2008 einer der ersten 40 Sportler, die in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen wurden. Mit der heutigen feierlichen Umbenennung trägt der Landessportbund dazu bei, Persönlichkeiten wie Carl Schuhmann im Gedächtnis zu bewahren und zum Nachdenken über ihr Leben anzuregen. Die Umbenennung steht für die Verantwortung des Sports, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen."

Stationen aus dem Leben von Carl Schuhmann

• geboren 1869 in Münster

• aufgewachsen in Köln

• Dort war er Mitglied des Allgemeinen Turnvereins.

• Mit Anfang 20 ging er nach Berlin.

• wurde Mitglied der Berliner Turnerschaft Korporation.

• entwickelte sich zu einem Turner der Spitzenklasse, war erfolgreich bei deutschen und internationalen Turnfesten.

• Zugleich war er Weltklasse im Weitsprung, Gewichtheben und Ringen.

• Bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 in Athen gewann er 3 Goldmedaillen im Turnen (Pferdsprung, Barren, Reck), 1 Goldmedaille im Ringen (griechisch-römischer Stil) und 1 Bronzemedaille im Gewichtheben. Im Weitsprung wurde er Siebenter.

• Mit seinem Einzelsieg im Pferdsprung wurde er der erste deutsche Olympiasieger der Moderne.

• Sein Sieg im Ringen war eine Sensation: Er war mit 1,63 m der kleinste aller Ringer, besiegte den griechischen Favoriten, der viel größer und schwerer war als er.

• Er gehörte zu den deutschen Turnern, die gegen den Widerstand der damals mächtigen Deutschen Turnerschaft, die die Olympischen Spiele boykottierte, an den Spielen teilnahmen. In der Leitung der Deutschen Turnerschaft herrschte eine starke Aversion gegen Frankreich. Der olympische Gedanke wurde als ein französischer Geistesblitz abgelehnt. Die Griechen hatten die Deutschen eingeladen, doch das wurde für ein Trick Coubertins gehalten, dem sie, ohne ihn zu kennen, Deutschlandfeindlichkeit unterstellten. Mit Hilfe von Spenden kam dennoch eine Olympia-Teilnahme der Deutschen zustande.

• Nach seiner Rückkehr wurde Carl Schuhmann mit anderen deutschen Athleten, die an den Spielen teilgenommen hatten (Hermann Weingärtner, Alfred Flatow, Gustav Flatow), aus der Turnerschaft ausgeschlossen und für alle größeren Wettkämpfe gesperrt.

• 1908 beendete er seine Karriere. Zu dieser Zeit lebte er schon in England. Er arbeitete dort als Goldschmied und Turnlehrer der German Gymnastic Society.

• Im ersten Weltkrieg wurde er auf der Insel Man interniert.

• 1919 kehrte er nach Berlin zurück, eröffnete ein Juwelier-Geschäft und gab sein Wissen als Turn- und Wanderwart in einem Charlottenburger Turnverein weiter.

• Er starb 1946 in Berlin und ist auf dem Friedhof in der Heerstraße beigesetzt.

  • Carl-Schuhmann-Weg