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Sport und Lärm

Bundesregierung legt reformierten Entwurf der Sportanlagenlärmschutzverordnung (SALVO) vor

Sport macht Geräusche: Schiri-Pfeifen, jubelnde Eltern, Anweisungen auf dem Platz, aber auch die abendliche An- und Abfahrt zur Sporthalle oder die gemeinsame Abfahrt am Sonntagmorgen zum Auswärtsspiel können nicht geräuschlos vor sich gehen. Berlin ist als attraktive, wachsende Stadt besonders betroffen von Konflikten zwischen Sporttreibenden und Anwohnerinnen bzw. Anwohnern. Allein über 50 aktuelle Beschwerden sind hier bekannt. Umso wichtiger ist es, dass der Gesetzgeber handelt und die Sportanlagenlärmschutzverordnung sportfreundlicher gestaltet.

Daher freuen wir uns, dass die Bundesregierung nun einen reformierten Entwurf der Sportanlagenlärmschutzverordnung (SALVO) vorgelegt hat. Am 23. Januar 2017 soll der Entwurf Gegenstand einer Anhörung im Deutschen Bundestag sein. Als Sachverständiger ist unter anderem der Landessportbund Berlin geladen.

Seit Jahren müssen Vereine ihren Spiel- und Trainingsbetrieb massiv einschränken. Wegen strengerer Regeln am Wochenende und in den Abendstunden ist auf vielen Plätzen in Berlin abends um 20 Uhr Schluss, obwohl theoretisch bis 22 Uhr trainiert werden könnte. Zwar sollen die strengeren Lärmschutzregeln für diese Zeiten nun entfallen. Von einer echten Lösung des Problems ist man aber noch immer weit entfernt. Das liegt auch daran, dass es nach wie vor laut Verordnung Kinder erster und zweiter Klasse gibt: bolzen Kinder und Jugendliche auf öffentlichen Grünanlagen oder einem Bolzplatz, gelten keine Einschränkungen. Tun sie dies aber auf dem Sportplatz, wird der Verein bestraft. Besonders sinnfällig wird dies in der Körtestraße in Kreuzberg, wo Sportplatz und Bolzplatz direkt aneinander angrenzen.

Genauso ist es bei Sanierungen oder Nutzungsänderungen an älteren Sportanlagen: wenn das Flutlicht ausgetauscht werden muss oder aus einem Fußball- ein Hockeyplatz gemacht werden soll, droht der Bestand der Anlage selbst infrage gestellt zu werden. Der Grund: wenn eine Sportanlage vor 1991 gebaut wurde, unterliegt sie zwar großzügigeren Lärmregeln. Dieses Privileg und infolge dessen auch die Sicherheit des Standortes fällt aber weg, wenn sich der grundsätzliche Charakter der Anlage regelt. Was damit gemeint ist? Keiner weiß es bislang so genau, sodass die Frage nach genaueren Kriterien wiederholt Gegenstand von Diskussionen zwischen Verwaltungen und Sportvereinen war. Immerhin stellt die neue Verordnung eine Positivliste zur Verfügung, anhand derer der Bestandsschutz klarer gefasst werden kann.

Die Forderungen des Sports gehen über den vorgelegten SALVO-Entwurf hinaus. Wir fordern eine Ausweitung der Kinderlärmprivilegierung auch auf Sportanlagen und das Greifen des Altanlagenbonus auf Sportanlagen, die bis 2017 gebaut wurden. Auch die Lärmgrenzen sind in der Praxis zu niedrig. Nicht zuletzt, weil die Wohnbebauung heute schon viel näher an Sportplätze herangerückt ist als erlaubt. Im Zweifel zieht der Sport hier den Kürzeren gegenüber dem Wohnungsbau.

Unabhängig von der neuen Verordnung bleibt es aber Aufgabe des Sports, frühzeitig auf die Nachbarschaft zuzugehen und sie dafür zu sensibilisieren, dass in der Nähe Sport betrieben wird. Oft ist die Einladung zum Probetraining dabei nicht nur ein Instrument, künftige Klagen zu vermeiden. Nebenbei gewinnt man dadurch auch neue Vereinsmitglieder.

Stellungnahme zur SALVO