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Ex-National-Stürmerin auf Talentsuche

18 Jahre lang trug die Eishockey-Spielerin Nina Kamenik das deutsche Nationaltrikot. Nun bringt sie ihre Erfahrung in die Talentsuche ein.

Nina Kamenik weiß noch genau, wie das Gefühl war, als sie zum ersten Mal eine komplette Eishockey-Ausrüstung trug. „Ich war erst fünf Jahre alt und habe sie gleich geliebt“, erinnert sie sich. „Ich war so stolz, dass ich die Ausrüstung immer wieder bei uns zu Hause im Keller angezogen habe.“ Zwei Jahre hatte sie auf diesen Moment gewartet. Denn schon als Dreijährige begleitete sie ihren Bruder zusammen mit ihrem Vater und Mutter zum Eishockey-Training. „Da habe ich mir dann immer die Torwartschienen angezogen und bin damit herumstolziert.“ Die Faszination Eishockey kommt nicht von Ungefähr. Nina Kameniks Vater stammt aus Tschechien. „Dort ist Eishockey eine Art Nationalsport“, erklärt sie. Auch ihr älterer Bruder – heute Torwart-Trainer der Deutschen Frauennationalmannschaft - hat früh mit dem Sport angefangen. Dass die Familie quasi gegenüber des Eisstadions Lankwitz wohnte, erleichterte ihre sportlichen Ambitionen.

Mädchen im Jungenteam

Bis sie 16 war, spielte Nina Kamenik in den Jungenmannschaften mit. „Oft war ich das einzige Mädchen“, erzählt die quirlige Stürmerin. „Als Jugendliche habe ich mir oft gewünscht, mehr Mädchen im Team zu haben. Doch für eine reine Mädchenmannschaft hat es bei meinem Verein FASS Berlin Eishockey nie gereicht.“ So wechselte sie zum OSC-Berlin in die dortige 1. Frauenmannschaft und spielte fortan in der 1. Bundesliga. Eine Doppel-Lizenz ermöglichte es ihr, auch in den Landesliga-Männermannschaften zu spielen. Als kleine – Nina Kamenik ist nur 1,60 Meter groß – schnelle und ausdauernde Stürmerin fiel die Berlinerin auf. „Ich war oft im Außensturm, hatte viele Zweikämpfe in den Ecken und habe Tore vorbereitet und auch selbst geschossen.“ In der Frauenbundesliga wurde sie mit ihrer Mannschaft vier Mal Deutscher Meister. Zuletzt im Jahre 2010. Die Punktstarke Stürmerin bestritt insgesamt 270 Länderspiele. Dabei schoss sie 27 Tore und machte 42 Assists (Vorlagen).

Karrierehöhepunkt Olympia 2014

Der Höhepunkt ihrer Karriere war 2013 die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2014. „Das hieß, sich ein Jahr lang bewähren und zu arbeiten, um in den letztendlichen Olympia-Kader zu kommen“, erinnert sie sich. „Auch wenn die Quali schon ein Erfolg war, haben wir dann bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi einen siebten Platz erreicht.“ Wegen der Disqualifikation Russlands wurde am Ende sogar ein 6. Platz daraus. Nina Kamenik weiß, wie wichtig die Sportförderung für eine Profikarriere ist. Als ehemalige Soldatin der Bundeswehr, die eine Sportförderung erhielt, musste sie sich Jahr für Jahr neu beweisen. Zehn Jahre lang konnte sie aufgrund ihrer sportlichen Leistung als Sportsoldatin davon profitieren und wurde finanziell unterstützt. „Die Anforderungen an die Sportsoldatinnen waren ein ziemlicher Druck.“

Netzwerken für sportliche Talente

Heute gibt die ehemalige Profispielerin ihre Erfahrungen weiter. „Ich bin Netzwerkerin bei BERLIN HAT TALENT. Ich weiß, wie wichtig es ist, genau zu schauen, wo die Stärken der Kinder sind. Egal ob sie später Leistungssport betreiben, im Breitensport bleiben oder an ihren motorischen Problemen arbeiten“, sagt die Sportwissenschaftlerin. „Viele wissen gar nicht, was ihr Talent ist. Dabei ist das so wichtig herauszufinden, damit die Kinder dauerhaft Spaß haben und bei ihrem Sport bleiben.“

Mehr Angebote für Kinder mit Behinderungen

In ihrem Büro im ersten Stock der Rudolf-Harbig-Halle an der Glockenturmstraße organisiert sie mit ihren Kollegen die TALENTIADE (Sport in Berlin, Januar 2020) und entwickelt diese weiter, um einer immer größer werdenden Zahl von jungen Sportlern die Teilnahme zu ermöglichen. „Wir möchten noch mehr Kinder in Vereine bringen“, betont Kamenik. „Dabei sollen nicht nur die motorisch besonders Begabten gefördert werden, sondern auch die mit Bewegungsförderbedarf.“ Das Programm BERLIN HAT TALENT werde künftig auch für Kinder mit Behinderung angeboten. Das sei bisher einzigartig. Auch für die neue Gutscheinaktion in Kooperation mit der AOK NORDOST begeistert sie sich: „Teilnehmer am Motorik-Test erhalten einen Gutschein für ein dreimonatiges Probetraining in einem Verein. Das ist ein Lückenschluss zwischen motorisch Begabten und Kindern mit Förderbedarf. Kein Kind fällt durch das Raster.“ In Zusammenarbeit mit den Trainern ließen sich so manche Vorurteile der Eltern gegenüber bestimmten Sportarten ausräumen. Etwa dass Eishockey zu brutal und verletzungsgefährlich sei. Besonders für Mädchen.„Dabei sieht Vieles aufgrund der Schnelligkeit der Aktionen spektakulärer aus, als es wirklich ist“, erklärt Nina Kamenik.

Auch Mädchen für Eishockey begeistern

Ihre beruflichen Ziele sieht sie im flächendeckenden Angebot des Programms BERLIN HAT TALENT und natürlich auch in der TALENTIADE. Vielleicht ließen sich dabei mehr Mädchen für Eishockey begeistern. In der Bundesliga würde sie gern die Bedingung für Mädchen und Frauen verbessern. „Das fängt schon damit an, dass es keine optimalen Trainingszeiten gibt.“ Hier wünscht sie sich eine bessere und engere Zusammenarbeit mit den Vereinen und Verbänden. Wer so lang über das Eis schoss, gibt seinen Sport nach Beendigung der Profilaufbahn nicht einfach auf. „Drei bis vier Mal die Woche spiele ich bei den Eisbären im Juniors-Frauenteam. – Natürlich im Sturm!“ Ihr Lebenspartner ist übrigens als OSP-Trainer im Gewichtheben aktiv. So sind beide während ihrer Freizeit in der Nachwuchsförderung engagiert. Auch wenn das Eishockeyspielen nicht mehr den größten Teil ihres Lebens bestimmt, seinen Reiz hat das Eishockeyspielen auf keinen Fall verloren. Nina Kamenik: „Ich liebe den Variantenreichtum, die taktischen Möglichkeiten und die extreme Schnelligkeit des Spiels. Und besonders viel Spaß macht es mir, meine Schnelligkeit auszuspielen.“

Text/Foto: Petra Lang

  • Nina Kamenik